Hans Jäcklin war ein berittener Ratsdiener, der Johann Rudolf Wettstein auf seinen Gesandtschaftsreisen begleitete. Er ist in den Wettsteinhäusern zweimal dargestellt und wurde im 20. Jahrhundert unter seinem Spitznamen ‹Giggishans› in Riehen zu einer populären Figur.
Sohn des Gabriel Jäcklin (Weissgerber; 1564–nach 1634) und der Anna, geborene Uehlin. Erste Heirat 1627 mit Maria Lützelmann (1601–1628/29) aus Basel. Ein Sohn. Zweite Heirat 1630 mit Barbara Höfflin (1601–nach 1659) von Buus. Drei Töchter und fünf Söhne.
Hans Jäcklin wurde am 16. April 1598 in der Kirche St. Leonhard in Basel getauft. Er war das achte von zwölf Kindern des Weissgerbers Gabriel Jäcklin und dessen Frau Anna, geborene Uelin, einer Wirtstochter.
Hans Jäcklin machte wie sein Vater eine Lehre als Weissgerber. Die Weissgerberei ist ein Verfahren zur Umwandlung von Tierhäuten in Leder, bei der Mineralien und nicht wie bei der Rotgerberei pflanzliche Stoffe eingesetzt werden.
1627 heiratete Hans Jäcklin in der Leonhardskirche die Baslerin Maria Lützelmann, Tochter eines Landpfarrers. Aus dieser Ehe ging ein Sohn hervor. Nach dem frühen Tod der ersten Frau schloss Jäcklin 1630 wiederum in der Kirche St. Leonhard den Ehebund mit Barbara Höfflin von Buus. Die beiden hatten acht Kinder hervor, die teilweise noch im Kindesalter starben. Bereits vor der Hochzeit kauften sie 1629 ein Haus an der Rüdengasse in Basel, das die Familie bis zum Verkauf im Jahr 1659 bewohnte.
1631 erscheint Jäcklin in den Quellen erstmals als Überreiter. Darunter verstand man einen berittenen, in den Farben des Stadtwappens eingekleideten Ratsdiener, der vor allem für Kurierdienste, aber auch als Begleiter von Gesandten des Standes Basel eingesetzt wurde. Damit kam er in regelmässigen Kontakt mit Johann Rudolf Wettstein, seitdem dieser ab 1630 vom Rat jeweils zum Gesandten an die eidgenössischen Tagsatzungen bestimmt wurde.
Hans Jäcklin gehörte zur fünfköpfigen Delegation unter der Leitung von Wettstein, die Ende 1646 von Basel an den Friedenskongress in Westfalen geschickt wurde. Im Tagebuch, das Wettstein während dieser Gesandtschaftsreise führte, und in den Briefen, die er von Westfalen nach Basel schickte, wird Jäcklin mehrfach erwähnt.
Als Wettstein 1650/51 im Auftrag der eidgenössischen Tagsatzung an den Kaiserhof nach Wien reiste, gehörte Jäcklin ebenfalls zu seinen Begleitern.
Während dieser zahlreichen Gesandtschaftsreisen scheint eine nähere persönliche Verbindung zwischen Wettstein und Jäcklin entstanden zu sein. Davon zeugt zum einen der Umstand, dass die mehrere von Jäcklins Kindern Söhne, Töchter, Schwiegerkinder oder eine Schwägerin von Wettstein als Taufpaten hatten. Zum anderen liess Wettstein seinen Untergebenen, der in Riehen mehrfach als Taufpate auftrat, in seinem Riehener Landsitz gleich zweimal darstellen: einmal in vornehmer Kleidung in der Ofenecke einer Stube im Hinterhaus des Alten Wettsteinhauses, ein zweites Mal in ärmlicher Aufmachung an der Kellertüre des Neuen Wettsteinhauses.
Unter dem Spitznamen ‹Giggishans›, der von der Inschrift des Wandbildes im Alten Wettsteinhaus sowie aus Briefen und Aufzeichnungen Wettsteins bekannt ist, fand Hans Jäcklin Eingang in die lokale Literatur und wurde in Riehen zu einer populären Figur. Erstmals trat er im Juni 1920 anlässlich des Kantonal-Gesangfests in Basel im Festspiel ‹Bürgermeisters Wettsteins Heimkehr› als trinkfreudiger Diener Wettsteins auf.
In Riehen bekannt wurde ‹Giggishans› vor allem dank seiner Auftritte im Festspiel ‹Wettstein und Riehen› von Albert Oeri zur ‹Vierhundertjährigen Vereinigungsfeier von Riehen und Basel› im Jahr 1923. Damals führte er auch alle Mitwirkenden des Festspiels beim Festumzug durch Riehen an. Auch an den Festumzügen am Riehener Winzerfest von 1946 und anlässlich der Feier zur 450-jährigen Zugehörigkeit Riehens zu Basel im Jahr 1972 war er als Begleiter von Bürgermeister Johann Rudolf Wettstein und dessen Frau Anna Maria Falkner mit von der Partie.
Grosser Beliebtheit erfreuten sich auch die in der Riehener Zeitung und teilweise auch in Buchform erschienenen Geschichten des Lehrers Eduard Wirz mit meist fiktiven Episoden aus dem Leben von ‹Giggishans›. Eine dieser Episoden wurde von Rosa Bratteler am 1958 eingeweihten Giggishans-Brunnen, dessen Figur ‹Giggishans› mit einem gefüllten Becher zeigt, als Bronzerelief verbildlicht. 1959 erhielt einer von drei in Riehen ausgesetzten Störche den Namen ‹Giggishans›.
Hans Jäcklin alias Giggishans blieb auch im ausgehenden 20. und im beginnenden 21. Jahrhundert Teil der Riehener Erinnerungskultur. Im September 1985 gab etwa der Liederkranz Riehen am Dorffest dem von ihm geführten ‹Beizli› den Namen ‹Giggishans›. Die gleiche Bezeichnung trug von 1995 bis 1999 das Mitteilungsblatt der Sozialdemokratischen Partei Riehen. Und 2009 boten der Verkehrsverein und die Gemeinde Riehen szenische Führungen mit ‹Giggishans› durch die beiden Wettsteinhäuser an.
Autorin / Autor: Stefan Hess | Zuletzt aktualisiert am 18.5.2026
Behret, Hans / Lehmann, Fritz: Der «Giggishans» in alter Schönheit. Aus der Werkstatt eines Restaurators. In: Jahrbuch z’Rieche 1972. S. 61–64.
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Lehmann, Fritz: Aus der Geschichte des Wettsteinhauses zu Riehen. In: Jahrbuch z’Rieche 1972. S. 7–25, hier S. 21.
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