Der aus dem Aargau zugezogene Primarlehrer Eugen Seiler war von 1935 bis 1945 Gemeindepräsident von Riehen. Er ist der bisher einzige Inhaber dieses Amts, der nicht in der Region Basel aufgewachsen ist.
Heirat 1895 mit Elsa Hedwig Burger (1869–1955). Eine Tochter, ein Sohn.
Eugen Seiler wurde am 6. März 1868 geboren und wuchs in Tägerig (Aargau) auf, wo sein Vater als Lehrer tätig war. Nach der Primarschule besuchte er die Bezirksschule in Mellingen und von 1882 bis 1886 das Seminar in Wettingen, wo er sich zum Primarlehrer ausbilden liess. Danach unterrichtete er vier Jahre lang in Schneisingen AG sowie anschliessend an der Oberschule und der Bürgerlichen Fortbildungsschule in Burg AG. Dort betätigte er sich in den Vereinen als Chorleiter und Theaterregisseur.
Am 13. Juni 1895 heiratete Eugen Seiler in Burg Elsa Hedwig Burger. 1896 kam der Sohn Eugen zur Welt; 1899 folgte die Tochter Flora Hedwig.
1902 wurde Eugen Seiler zum Primarlehrer in Riehen gewählt, wo er bis zu seiner Pensionierung 1933 im Schulhaus Erlensträsschen unterrichtete. Bis 1929 wohnte er mit seiner Familie in einer Dienstwohnung im Rüdin’schen Landhaus. Dann zog er mit seiner Frau und seiner erwachsenen Tochter in ein Eigenheim an der Mühlestiegstrasse 45.
In seiner Freizeit betätigte sich Seiler als Imker und gestaltete im Oktober 1928 eine Radiosendung über Imkerei. Daneben verfasste er Lustspiele, die an Versammlungen der Imker und an Familienabenden des Verkehrsvereins aufgeführt wurden.
Erst im fortgeschrittenen Alter begann sich Seiler in Riehen politisch zu betätigen. Im Herbst 1924 wurde er für die Radikal-Demokratische Partei in das damals neu geschaffene Gemeindeparlament, den Weiteren Gemeinderat, gewählt. Im September 1930 erfolgte seine Wahl in die Gemeindeexekutive, den Engeren Gemeinderat; er war dort für das Bau- und Strassenwesen zuständig. Im folgenden Jahr erwarb er das Bürgerrecht von Riehen, sodass er im Frühling 1933 auch in den Bürgerrat gewählt werden konnte.
Im Dezember 1935 wurde Seiler als Nachfolger des im Amt verstorbenen Otto Wenk, den er in seiner Eigenschaft als Vizepräsident bereits ein halbes Jahr bei dessen krankheitsbedingten Abwesenheit vertreten hatte, zum Gemeindepräsidenten von Riehen gewählt. Er setzte sich als Kandidat der Bürgerlichen Vereinigung gegen Karl Senn-Freitag, den Kandidaten der Sozialdemokratischen Partei, durch.
1945 verzichtete Seiler auf eine erneute Kandidatur. Damit endete seine Amtszeit als Gemeinde- und als Bürgerratspräsident am 30. September 1945, nachdem er die Gemeinde durch die schwierige Zeit des Zweiten Weltkriegs geführt hatte.
Eugen Seiler starb am 22. Februar 1950 und wurde auf dem Gottesacker Riehen bestattet.
Autorin / Autor: Stefan Hess | Zuletzt aktualisiert am 16.4.2026
Raith, Michael: Aus der Geschichte des Gemeinderates von Riehen. In: Jahrbuch z’Rieche 1969. S. 45–85, hier S. 64, 84 Anm. 83; Tab. 3.
Raith, Michael: Zweihundert Jahre gelebte Demokratie. In: Jahrbuch z’Rieche 1999. S. 4–37, hier S. 32f.
Kaspar, Albin: Häuser in Riehen und ihre Bewohner. Heft I. Riehen 1996. S. 44.
Raith, Michael: Gemeindekunde Riehen. 2. überarbeitete und aktualisierte Aufl. Riehen 1988. S. 215.
R. W.: Eugen Seiler †. In: Schweizerische Lehrerzeitung 95 (1950). S. 453f.
Vögelin, Hans Adolf: Von der Französischen Revolution bis zur Gegenwart (1798–1970). In: Bruckner, Albert et al.: Riehen – Geschichte eines Dorfes. Riehen 1972. S. 319–410, hier S. 359, 404, 407f.