Der Bäckermeister Niklaus Löliger war von 1861 bis 1876 Gemeindepräsident von Riehen. Er war der letzte Inhaber dieses Amts, der vom Kleinen Rat des Kantons Basel-Stadt bestimmt wurde.
Sohn des Johann Jakob Löliger (1777–1849; Küfer) und der Magdalena, geborene Fuchs (1780–1864). Heirat 1840 mit Salome Jundt (1811–1869) von Bottmingen BL. Drei Söhne. Zweite Heirat 1874 mit Lydia von Brunn (1820–1898) von Basel. Keine Kinder.
Niklaus Löliger wurde am 27. August 1814 als achtes von insgesamt zehn Kindern des Küfers Johann Jakob Löliger und der Magdalena, geborene Fuchs, in Riehen geboren. Während seine Mutter einer alten Riehener Familie angehörte, stammte die Familie des Vaters ursprünglich aus Pratteln und besass erst seit 1728 das Bürgerrecht von Riehen.
Niklaus Löliger wuchs mit seinen Geschwistern, die alle das Erwachsenenalter erreichten, im Oberdorf auf. Er absolvierte eine Bäckerlehre, kaufte 1839 das neu erbaute Haus Rössligasse 12 und richtete sich dort in der ausgebauten Scheune eine Backstube ein.
Am 26. März 1840 heiratete Niklaus Löliger Salome Jundt, eine Tochter des aus Bottmingen stammenden Riehener Dorfschullehrers Hans Ulrich Jundt. Aus dieser Ehe gingen drei Söhne hervor, von denen die beiden ältesten bereits früh starben.
1860 kaufte Löliger die frühere Landvogtei an der Kirchstrasse. Er vergrösserte im Flügelbau den alten, einst bei der Weinlese zum Backen des Brotes für Winzer und Knechte benötigten Ofen und betrieb dort wie zuvor an der Rössligasse 12 mit zwei Gesellen eine Bäckerei. 1863 konnte er auch die benachbarte ehemalige Zehntenscheune erwerben, welche die Gemeinde zur Abtragung der durch den Kauf des Rüdin’sches Landgutes zur schulischen Nutzung entstandenen Schulden versteigern liess.
1869 starb Niklaus Löligers Gattin Salome. Fünf Jahre später, am 14. Juli 1874, heiratete er Lydia von Brunn aus Basel, Tochter des Martin von Brunn, des früheren Liestaler und Kleinhüninger Pfarrers und ersten Präsidenten der Basler Mission. Diese Ehe blieb aufgrund des bereits fortgeschrittenen Alters beider Ehegatten kinderlos.
Neben seiner beruflichen Tätigkeit bekleidete Niklaus Löliger nacheinander verschiedene öffentliche Ämter. 1849 wurde er ins Zivilgericht des Landbezirks gewählt, zu dessen Präsident er später ernannt wurde. Um diese Zeit übernahm er auch das Amt des Gemeindeschaffners. Im Juni 1861 wählte ihn die Riehener Gemeindeversammlung zum Gemeinderat und noch im gleichen Monat ernannte ihn der Kleine Rat des Kantons zum Gemeindepräsidenten.
Bereits Niklaus Löligers Vater Johann Jakob war 1816 für dieses Amt bestimmt worden, doch hatte er umgehend demissioniert. In ihrer politischen Haltung unterschieden sich die beiden allerdings deutlich voneinander: Während der Vater fortschrittlich gesinnt gewesen und in den Trennungswirren wegen seiner Parteinahme für die Landschaft 1831 als Gemeinderat abgesetzt worden war, vertrat der Sohn politisch und religiös eine dezidiert konservative Haltung. Er verkehrte in den erwecklich-pietistischen Kreisen Riehens und Basels, was ihm den Übernamen ‹dr läädrig Heiland› eintrug. Entsprechend war er als Mitglied des Kirchenvorstands, der Synode und des Banns (seit 1850) auch kirchlich vielfältig engagiert.
Als nach der Einführung der baselstädtischen Kantonsverfassung 1875 und der Verabschiedung eines Gemeindegesetzes am 26. September 1876 der Riehener Gemeindepräsident erstmals durch die Gemeindeversammlung gewählt wurde, fiel die Wahl auf Hans Wenk-Marder und nicht auf den als amtsmüde geltenden Niklaus Löliger, der sich darauf aus dem Gemeinderat zurückzog. Bei den nächsten Gemeinderatswahlen am 5. Oktober 1879 stellte er sich aber wieder zur Verfügung und wurde nochmals in die oberste kommunale Behörde gewählt, der er bis zu seiner erneuten Demission am 10. Februar 1884 angehörte.
Neben kommunalen und kirchlichen bekleidete Löliger auch kantonale Ämter. So wurde er 1861 wie früher schon sein Vater ins kantonale Parlament, den Grossen Rat, gewählt und nahm dort in einzelnen Kommissionen Einsitz.
Vermutlich bereits vor 1870 übergab Niklaus Löliger die Bäckerei seinem jüngsten Sohn Samuel, dem er 1872 auch die Hälfte der Landvogtei-Liegenschaft überliess. Fortan widmete er sich vor allem seinen politischen Ämtern und der Verwaltung der Spar- und Leihkasse Riehen. In den 1880er-Jahren zog er sich weitgehend aus dem öffentlichen Leben zurück.
Nach dem Tod seines ehrgeizigen, als Bäcker und Wirt aber erfolglosen, stark verschuldeten Sohnes 1894 brachte er dessen Hälfte der Landvogtei wieder in seinen Besitz. Zwei Jahre später verkaufte er jedoch die ganze Liegenschaft und zog nach Basel an die Markgräflerstrasse 52.
Als Niklaus Löliger am 26. April 1899 starb, war er der erste ehemalige Gemeindepräsident Riehens, der in der Basler Presse mit einem Nachruf gewürdigt wurde. Die damals noch freisinnigen ‹Basler Nachrichten› betonten seine streng konservative Gesinnung, hoben aber hervor, dass er «ein lauterer Charakter und sehr tolerant gegenüber Andersdenkenden» gewesen sei.
Autorin / Autor: Stefan Hess | Zuletzt aktualisiert am 6.1.2026
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