Jakob Mory

18321916

Der Ziegeleibesitzer und Landwirt Jakob Mory war von 1900 bis 1903 Gemeindepräsident von Riehen. Er war der erste Inhaber dieses Amts, der bei der Geburt noch nicht das Bürgerrecht der Gemeinde besessen hatte.

Sohn des Rudolf Mory von Binningen (1805–1875; Ziegler, Landwirt) und der Anna, geborene Löliger (1806–1887). Heirat 1858 mit Anna Maria Stump (1829–1906). Sechs Töchter, drei Söhne.

Herkunft, Ausbildung und Heirat

(Johann) Jakob Mory war neben zwei Töchtern der einzige Sohn von Rudolf Mory und Anna, geborene Löliger. Sein Vater entstammte einer Hugenottenfamilie, die nach der Aufhebung des Ediktes von Nantes im Jahr 1685 aus der Picardie nach Binningen gezogen war; er betrieb wie schon seine Vorfahren am Grenzacher Horn eine Ziegelei. Seine Mutter war Tochter des Riehener Küfers Hans Jakob Löliger und Schwester des späteren Gemeindepräsidenten Niklaus Löliger.

Gemäss einem Nachruf beendete Jakob Mory seine Schulzeit in der französischen Schweiz. Anschliessend erlernte er das Zieglerhandwerk und arbeitete im Betrieb seines Vaters.

Am 9. Februar 1858 heiratete er in der Riehener Dorfkirche die Riehenerin Anna Maria Stump, deren Onkel an der Grenze zu Grenzach einen Gasthof betrieb. Aus dieser Ehe gingen neun Kinder hervor, von denen bis auf eine Tochter alle das Erwachsenenalter erreichten.

Betrieb einer Ziegelei in Riehen

1862 kaufte Jakob Mory in Riehen die geräumige Liegenschaft Baselstrasse 5–9. Im rückwärtigen Gartenareal liess er eine Ziegelhütte mit zwei Brennöfen errichten, worauf er den väterlichen Betrieb in Grenzach hierher verlegte. 1863 bezog er mit seiner Familie das ebenfalls neu errichtete, an der Strasse gelegene Wohnhaus. Bereits vier Jahre später konnte er für sich und seine Familie zusätzlich zu seinem angestammten Binninger Bürgerrecht das Bürgerrecht von Riehen erwerben.

1869 tauschte Jakob Mory die Liegenschaft Baselstrasse 67, die seine Frau im Vorjahr von einem Cousin geerbt hatte, gegen das an sein Domizil grenzende Grundstück Baselstrasse 1–3 ein, wo fortan seine Eltern lebten. In der Ziegelei, die schrittweise modernisiert wurde, beschäftigte er bis zu acht Arbeiter, die zeitweise auch im angeschlossenen Landwirtschaftsbetrieb eingesetzt wurden.

Öffentliches Wirken

Um 1900 übergab Jakob Mory die Leitung der Ziegelei seinem mittleren Sohn Johannes, der den Betrieb noch bis gegen 1912 weiterführte. Er selbst widmete sich fortan vor allem seinen politischen Ämtern. Bereits am 10. Februar 1884 war er in den Gemeinderat von Riehen gewählt worden. Er galt politisch und kirchlich als streng konservativ. So liess er seine Kinder nicht durch den freisinnigen Dorfpfarrer, sondern von einem altgläubigen Theologen in Basel konfirmieren.

Am 27. September 1891 trat Jakob Mory bei der Wahl um das Gemeindepräsidium an, unterlag aber dem freisinnigen Heinrich Weissenberger. Als dieser zurücktrat, wurde Mory am 4. Februar 1900 in dieses Amt gewählt. Er war damit der erste Gemeindepräsident Riehens, der sich das Bürgerrecht der Gemeinde erst im Lauf seines Lebens erworben hatte.

Als Weissenberger drei Jahre später erneut für den Gemeinderat kandidierte und am 22. Februar 1903 an der Gemeindeversammlung tatsächlich in die Riehener Exekutive gewählt wurde, trat Mory unter Protest von seinem Amt zurück. Während seiner Amtszeit war er nämlich von seinem Vorgänger wiederholt scharf kritisiert worden. Zugleich zog sich Mory aus dem kantonalen Parlament, dem Grossen Rat, zurück, dem er ebenfalls über viele Jahre angehört hatte.

In Morys Amtszeit als Gemeindepräsident fiel die Einführung der Elektrizität in Riehen, die anfänglich noch vom badischen Kraftwerk Rheinfelden geliefert wurde. Er setzte sich auch für den Anschluss Riehens an das Stadtwassernetz und die Einführung von Gas ein, was jedoch erst nach seinem Rücktritt umgesetzt wurde.

Mory bekleidete im Lauf seines Lebens zahlreiche weitere Ämter: Er war etwa in Personalunion mit seinen Ämtern in der Exekutive der Einwohnergemeinde Bürgerrat und Bürgergemeindepräsident. Darüber hinaus gehörte er dem Zivilgericht an, wirkte in der Schulinspektion von Riehen und Bettingen mit und war Mitglied der evangelisch-reformierten Kirchensynode. Zudem war er in verschiedenen kommunalen und kantonalen Kommissionen tätig. Daneben engagierte er sich in mehreren Stiftungen, unter anderem als Schreiber des Bischoffstifts, sowie in örtlichen Vereinen, insbesondere im Verkehrsverein und in der Liedertafel.

Ehrung und Tod

Auch nach seinem Rückzug aus der Politik genoss Mory in Riehen hohes Ansehen. So beschloss der Gemeinderat am 22. Dezember 1909, einer neuen Strasse den Namen ‹Jakob Morystrasse› zu geben, der jedoch nach Intervention des kantonalen Baudepartements in Morystrasse verkürzt wurde. Jakob Mory ist damit die einzige Persönlichkeit, die in Riehen noch zu Lebzeiten auf diese Weise geehrt wurde. Er starb am 30. Juli 1916.

Autorin / Autor: Stefan Hess | Zuletzt aktualisiert am 6.1.2026

Fakten

Jakob
Johann Jakob
Mory
Mory-Stump
03.06.1832
30.07.1916 in Riehen
Binningen, ab 1867 Riehen

Jahrbuch z’Rieche

Literatur

Jahrbuch z’Rieche

Raith, Michael: Aus der Geschichte des Gemeinderates von Riehen. In: Jahrbuch z’Rieche 1969. S. 45–85, hier S. 64, 77, 85, Anm. 110; Tab. 3.

Raith, Michael: Das Schweizerhaus. In: Jahrbuch z’Rieche 1993. S. 164–171, hier S. 168f.

Raith, Michael: Zweihundert Jahre gelebte Demokratie. In: Jahrbuch z’Rieche 1999. S. 4–37, hier S. 18–20.

Raith, Michael: Von Ziegeleien, Hugenotten und den Mory in Riehen. In: Jahrbuch z’Rieche 2002. S. 48–61, hier S. 48, 57–59.

Zinkernagel, Robert: Der Verkehrsverein Riehen. In: Jahrbuch z’Rieche 1965. S. 68–76, hier S. 74.

Weitere Literatur

Kaspar, Albin: Häuser in Riehen und ihre Bewohner. Heft I. Riehen 1996. S. 94, 98.

Kaspar, Albin et al.: Häuser in Riehen und ihre Bewohner. Heft III. Riehen 2017. S. 18, 20, 24–27.

Mischke, Jürgen und Inga Siegfried (Hg.): Die Ortsnamen von Riehen und Bettingen. Basel 2013. S. 233.

Raith, Michael: Die Familie Unholz von Riehen. In: Jahrbuch z’Rieche 1980. S. 22–37, hier S. 22f.

Raith, Michael: Gemeindekunde Riehen. 2. überarbeitete und aktualisierte Aufl. Riehen 1988. S. 215.

Vögelin, Hans Adolf: Von der Französischen Revolution bis zur Gegenwart (1798–1970). In: Bruckner, Albert et al.: Riehen – Geschichte eines Dorfes. Riehen 1972. S. 319–410, hier S. 345–347, 367, 369, 404, 407.

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