
Die in Hessen und im Toggenburg aufgewachsene Mina Schudel-Bleiker zog mit ihrem Mann Albert 1908 nach Riehen, wo die beiden gemeinsam ein Familienunternehmen aufbauten. Während ihr Gatte die Druckerei und die Buchbinderei leitete, war sie für die Papeterie zuständig.
Tochter des Gregor Bleiker (Schneider) und der Amalie, geborene Faber. Heirat 1908 mit Albert Schudel (Buchbinder, Drucker; 1877–1941). Eine Tochter, fünf Söhne.
Mina Bleiker wurde am 14. März 1876 in Witzenhausen bei Kassel (Hessen) geboren und auf den Namen Barbara Christine Philippine getauft. Sie war die jüngere Tochter des aus dem Toggenburg ausgewanderten Schneidermeisters Gregor Bleiker und dessen Frau Amalie, geborene Faber.
Bereits in ihrer Kindheit verlor Mina beide Eltern, die einer Epidemie zum Opfer fielen. Johann Bleiker, der älteste Bruder ihres Vaters, nahm sie darauf bei sich auf. So wuchs sie bei Ebnat-Kappel im Toggenburg auf.
Nach einem Sprachaufenthalt in der Westschweiz besuchte Mina Bleiker einen Kindergartenkurs in Herisau. Anschliessend arbeitete sie zunächst an einer Privatstelle, bevor sie 1898 als Kindergärtnerin nach Schaffhausen berufen wurde. Dort lernte sie den Buchbinder Albert Schudel kennen. Die beiden heirateten am 11. Juni 1908 in Schaffhausen. Anschliessend zog das Ehepaar nach Riehen an die Baselstrasse 51 und eröffnete dort eine Buchbinderei mit angeschlossener Papeterie.
In dieser Zeit begann Mina Schudel-Bleiker eine Familienchronik zu führen. Darin hielt sie wichtige Ereignisse aus dem Leben ihrer Familie und ihrem Umfeld fest. Mit Unterbrechungen setzte sie diese Aufzeichnungen bis 1941 fort.
1911 verlegte das Ehepaar Schudel-Bleiker seinen Wohn- und Geschäftssitz an die Schmiedgasse 6. Zu diesem Zeitpunkt hatten die beiden bereits drei Kinder; später wuchs die Familie auf insgesamt sechs Kinder an. Albert Schudel erweiterte am neuen Standort den Betrieb zusätzlich um eine kleine Druckerei.
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 veränderte sich die Situation der Familie. Da Albert Schudel wiederholt für längere Zeit zum Militärdienst aufgeboten wurde, übernahm Mina in dieser Zeit die Verantwortung für das gesamte Geschäft.
1922 erwarben Mina und Albert Schudel-Bleiker das Bauernhaus Schmiedgasse 9–11. Nach einem Umbau bezog die Familie das Obergeschoss, während im Erdgeschoss Druckerei und Buchbinderei eingerichtet wurden. Im vorderen Gebäude, einer ehemaligen Werkstatt, betrieb Mina Schudel-Bleiker wie bereits am früheren Standort die Papeterie, die inzwischen um eine Buchhandlung erweitert worden war.
Neben ihrer Tätigkeit im Haushalt und im Familienbetrieb engagierte sich Mina Schudel-Bleiker im kirchlichen und sozialen Leben der Gemeinde. Ihr war es – wie der an der Abdankung verlesene Lebenslauf festhält – ein grosses Anliegen, «nach Kräften das religiöse Leben in der Gemeinde zu fördern». Wie ihr Mann war sie aktives Mitglied der evangelisch-reformierten Kirche und des Blauen Kreuzes. Zudem pflegte sie sie enge Beziehungen zum Diakonissenhaus.
Im Herbst 1939 erkrankte Albert Schudel-Bleiker schwer und starb schliesslich am 16. Januar 1941. Im darauffolgenden Jahr verschied auch die Gattin des ältesten Sohnes Albert Schudel. Daraufhin zog Mina Schudel-Bleiker zu ihm und übernahm die Betreuung des Haushalts und der Kinder.
Als der Sohn Albert 1943 erneut heiratete, fand Mina Schudel-Bleiker bei ihrem zweitältesten Sohn Theo ein neues Zuhause. Dort verbrachte sie die letzten Monate ihres Lebens. Am 5. August 1944 erlitt sie einen Hirnschlag, an dessen Folgen sie fünf Tage später starb. Mina Schudel wurde im Grab ihres Gatten auf dem Gottesacker Riehen beigesetzt.
Autorin / Autor: Stefan Hess | Zuletzt aktualisiert am 6.10.2026
Bachofner, Alice: Riehener Kindheit vor 70 Jahren. In: Jahrbuch z’Rieche 1984. S. 163–173, hier S. 168.
Schmid-Cadalbert, Christian: 75 Jahre Dorfzeitung. Tradition als Verpflichtung. In: Jahrbuch z’Rieche 1997. S. 94–103, hier S. 96.