Das Lehrtöchterheim Riehen wurde 1972 auf Initiative des Frauenvereins Riehen eröffnet. Es bot Mädchen in Ausbildung, die aus verschiedensten Gründen nicht bei ihren Eltern wohnen konnten, ein Zuhause. Aufgrund rückläufiger Belegungszahlen wurde das zuletzt als Wohngruppe geführte Lehrtöchterheim 1992 geschlossen.
Der Frauenverein Riehen beschloss am 1. Juni 1966 an seiner Jahresversammlung, ein Lehrtöchterheim in Riehen zu gründen. Mit diesem Vorhaben reagierte er auf den Mangel an Wohnplätzen für Mädchen in Ausbildung. Arthur Rufener, Leiter der Guten Herberge, hatte zuvor darauf hingewiesen, dass für die aus diesem und anderen Heimen austretenden 16-jährigen Mädchen häufig eine Anschlusslösung fehlte. Fritz Müller, Vorsteher der Vormundschaftsbehörde Basel-Stadt, begrüsste das Engagement des Frauenvereins, da es den Staat entlaste.
Zur Finanzierung des Projekts sammelte der Frauenverein Geld, unter anderem mit einem grossen Bazar 1967. Ein Jahr später bot die Bischoffstiftung der Gemeinde Riehen das Grundstück Schlossgasse 27 zu einem günstigen Baurechtszins an. Nachdem sich Verein und Behörden über die Anzahl Wohnplätze geeinigt hatten und der Kanton Basel-Stadt eine Beteiligung von 30 Prozent an den Baukosten zugesichert hatte, konnten im Frühjahr 1971 die Bauarbeiten beginnen. Die Kosten für den Bau und später den Betrieb des Heims wurden gemeinsam vom Frauenverein Riehen, von Privaten und Firmen, der Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige Basel, dem Kanton Basel-Stadt sowie der Gemeinde Riehen getragen.
Am 1. April 1972 wurde das Lehrtöchterheim mit 22 Plätzen eröffnet. Bereits im Oktober waren sämtliche Plätze belegt. Ursprünglich richtete sich das Heim auch an auswärtige Mädchen, die in Basel eine Lehre absolvierten. Zunehmend wurden jedoch nur noch Mädchen aufgenommen, die von den Basler Behörden, insbesondere vom Sozialpädagogischen Dienst und vom Jugendamt, zugewiesen wurden. Da diese Bewohnerinnen einen höheren Betreuungsbedarf erforderten, wurde die Zahl der Wohnplätze reduziert. Einem Teil von ihnen vermittelte die Heimleitung Ausbildungsplätze bei Riehener Firmen.
Ab 1987 wurde das Heim als Wohngruppe Schlossgasse geführt, die 13- bis 16-jährige Schülerinnen umfasste. Aufgrund niedriger Belegungszahlen wurde die Wohngruppe 1992 geschlossen. Das Haus wurde an die Gesellschaft für Arbeit und Wohnen vermietet, die dort ein Wohnheim für psychisch erkrankte Erwachsene führte. Heute dient es der Hausgemeinschaft ‹Schärme› des Vereins Offene Tür als stationäre Wohnbegleitung für Frauen.
Autorin / Autor: Sarah Durrer | Zuletzt aktualisiert am 24.9.2026
Lehrtöchterheim in Riehen: Subvention, Jahres-, Revisionsberichte, Korrespondenz: DI-REG 5a 2-13-6 (2)
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Seiler-Spiess, Lukrezia: Ganz Frau. In: Jahrbuch z’Rieche 2003. S. 109–119, hier S. 113f.
Soiron, Rolf: Die Sozialaufgaben der Gemeinde Riehen. In: Jahrbuch z’Rieche 1977. S. 19–29, hier S. 24.
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