
Der Bauunternehmer und Architekt Wolfgang Wenk war von 1945 und 1970 Gemeindepräsident von Riehen. Er gestaltete in einer Zeit starken Bevölkerungswachstums die Entwicklung der Gemeinde wesentlich mit.
Sohn des Otto Wenk (1872–1935) und der Mathilde Margaretha, geborene Faber (1878–1941). Erste Heirat 1937 mit Irma Scherrer (1909–1956). Ein Sohn. Zweite Heirat 1957 mit Myrtha Isabella Haller, geschiedene Rathgeb (1917–?). Scheidung 1958. Keine Kinder. Dritte Heirat 1960 mit Anita Ursulina Kuhn (1923–?), verwitwete Flubacher, geschiedene Cramer. Keine gemeinsamen Kinder.
Wolfgang Wenk entstammte einer alteingesessenen Riehener Familie, die über Jahrhunderte hinweg gesellschaftlich und politisch eine wichtige Rolle in der Gemeinde spielte. Geboren wurde er am 10. September 1906 in Riehen als ältester Sohn des Architekten und Baumeisters Otto Wenk, der im Februar desselben Jahres zum Gemeindepräsidenten gewählt worden war. Seine Mutter Mathilde Margaretha, geborene Faber, stammte aus Basel. Wolfgang wuchs zusammen mit zwei älteren und zwei jüngeren Schwestern sowie einem jüngeren Bruder in einem Haus an der Bahnhofstrasse 48 auf, das sein Vater erbaut hatte und das dieser später mehrfach erweiterte.
Nach dem Besuch der Primarschule am Erlensträsschen sowie der Unteren und Oberen Realschule in Basel machte er ein Praktikum in der von seinem Vater mitbegründeten und mitgeleiteten Firma Burckhardt, Wenk & Cie. Danach absolvierte er die Rekrutenschule und die Offiziersschule. Von 1928 bis 1932 studierte er Architektur an der Technischen Hochschule Berlin und anschliessend an der École des Beaux-Arts in Paris.
1933 trat Wolfgang Wenk als Architekt in die Firma Burckhardt, Wenk & Cie. ein, für die er Einfamilienhäuser in Riehen und Basels Umgebung entwarf. Bereits 1934 wurde er zum Prokuristen befördert. 1936, ein Jahr nach dem Tod seines Vaters, übernahm er dessen Rolle als Teilhaber des Unternehmens und war fortan für die Bauabteilung zuständig. Seinen ‹Aktivdienst› während des Zweiten Weltkriegs leistete er als Kompagniekommandant bei den Pontonieren.
Ab 1951 leitete Wolfgang Wenk mit seinem jüngeren Bruder Siegfried die Baufirma Wenk & Cie., die aus der Aufspaltung der Firma Burckhardt, Wenk & Cie. hervorgegangen war. Daneben nahm er verschiedene Mandate in der Verwaltung von Wohngenossenschaften und der Pax Lebensversicherungs-Gesellschaft sowie in Verwaltungsräten mehrerer Immobiliengesellschaften und Transportfirmen wahr.
Am 25. Oktober 1937 heiratete Wolfgang Wenk Irma Scherrer. Sie bezogen einen von Wenk selbst entworfenen Neubau an der Wettsteinstrasse 33, nachdem er zuvor noch im Elternhaus gewohnt hatte. Am 29. August 1945 wurde ihr Sohn Daniel Otto Albert geboren. Die bereits seit Jahren gesundheitlich angeschlagene Gattin starb am 8. Februar 1956.
Am 17. Juni 1957 ging Wenk eine zweite Ehe mit Myrtha Isabella, geschiedene Rathgeb, ein, die jedoch bereits nach einem Jahr geschieden wurde. Schliesslich heiratete er am 12. Februar 1960 Anita Ursulina Kuhn, verwitwete Flubacher, geschiedene Kramer, die eine Tochter mit in die Ehe brachte.
Im Februar 1936 wurde Wolfgang Wenk, der wie sein Vater der Liberaldemokratischen Partei angehörte, in einer Kampfwahl gegen den offiziellen Kandidaten der Bürgerlichen Vereinigung in den Gemeinderat gewählt, ohne zuvor dem Dorfparlament angehört zu haben. Im September 1945 bestimmten ihn die Stimmbürger wiederum in einer Kampfwahl zum Gemeindepräsidenten. Wenk wurde in der Folge sechsmal wiedergewählt und übte das Amt – in Personalunion mit dem Bürgerratspräsidium – bis zu seinem Rücktritt auf Ende April 1970 insgesamt 25 Jahre lang aus. In dieser Zeit prägte er die Entwicklung der Gemeinde in einer Phase starken Bevölkerungswachstums massgeblich mit, etwa bei der Dorfkerngestaltung.
Von 1949 bis 1968 gehörte Wenk zudem dem Grossen Rat des Kantons an; er vertrat dort vor allem die Interessen der Gemeinde Riehen. 1960 wurde er überdies in den Verfassungsrat gewählt, der im Hinblick auf eine letztlich vom Stimmvolk abgelehnte Wiedervereinigung der Halbkantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft eingesetzt worden war. Darüber hinaus war Wenk Vorstandsmitglied mehrerer gemeinnütziger Stiftungen.
Wenk war ein passionierter Bergsteiger und Flieger. 1935 nahm er bei Charles Koepke Flugstunden und erwarb 1936 das Flugbrevet. 1950 folgten der Ausweis als Berufspilot und 1954 jener als Bordtelefonist. Von 1948 bis 1953 präsidierte er die Sektion Basel des Aero-Clubs der Schweiz und war von 1950 bis 1962 Vizepräsident von dessen Direktionskomitee. Zudem gehörte er dem Verwaltungsrat der Fluggesellschaft Balair AG an.
In seiner Freizeit unternahm Wenk regelmässig Flüge über die Alpen oder in ferne Länder, insbesondere nach Afrika. Dabei machte er auch regelmässig Film- und Fotoaufnahmen, so auch Luftaufnahmen seiner Heimatgemeinde Riehen.
Am 10. Oktober 1972 zerschellte Wolfgang Wenk mit seinem Flugzeug auf dem Grenzgletscher des Monte-Rosa-Massivs auf über 3700 Metern Höhe. Er wurde auf dem Gottesacker Riehen bestattet.
Autorin / Autor: Stefan Hess | Zuletzt aktualisiert am 15.4.2026
Martin, Christoph: Wolfgang Wenk als Luftphotograph. In: Jahrbuch z’Rieche 1975. S. 36–39.
Raith, Michael: Zweihundert Jahre gelebte Demokratie. In: Jahrbuch z’Rieche 1999. S. 4–37, hier S. 32–34, 36.
Wanner, Gustaf Adolf: Wolfgang Wenk zum Gedenken. In: Jahrbuch z’Rieche 1973. S. 77–79.
Raith, Michael: Gemeindekunde Riehen. 2., überarbeitete und aktualisierte Aufl. Riehen 1988. S. 215.
Vögelin, Hans Adolf: Von der Französischen Revolution bis zur Gegenwart (1798–1970). In: Bruckner, Albert et al.: Riehen – Geschichte eines Dorfes. Riehen 1972. S. 319–410, hier S. 356, 359, 387, 404, 407.