Naturbad Riehen

Weilstrasse 69

Nach langer Planungszeit konnte das Architekturbüro Herzog & de Meuron in Riehen eine Badeanstalt realisieren und damit die vormalige ‹Riehener Badi› ersetzen. Das ökologische Konzept des Naturbads und seine schlichte, in der Tradition der Basler Rheinbäder stehende Architektursprache wurden in Fachkreisen positiv aufgenommen.

Die Basler Architekten Jacques Herzog (* 1950) und Pierre de Meuron (* 1950) lieferten seit den späten 1970er-Jahren für die Gemeinde Riehen mehrere Entwürfe für Badeanstalten. Nach drei Projekten, die entweder am Weiteren Gemeinderat, am Riehener Stimmvolk oder am kantonalen Bauinspektorat gescheitert waren, konnte schliesslich zwischen 2013 und 2014 das vierte Projekt ausgeführt werden. Anders als in den vorherigen Entwürfen, legten die Architekten bei der Gestaltung der Anlage den Fokus nicht auf den sportlichen Aspekt, sondern auf das Naturerlebnis. Sie liessen sich von der ökologischen Zielsetzung leiten, ein zeitgemässes, sich selbst reinigendes Naturbad zu bauen, dessen Wasser natürlich gefiltert werden sollte. In der Gemeinde war das zwischen 2007 und 2008 geplante Projekt umstritten. Eine 2009 aus SVP-Kreisen lancierte Initiative sprach sich für eine «klassische Riehener Badi» aus, da bei einem Naturbad «Veralgung und unzulängliche Wasserhygiene […] vorprogrammiert» seien. Bei Enthaltung der SVP-Fraktion sprach sich das Riehener Gemeindeparlament 2011 für den Investitionskredit des Bades aus, womit der Weg zur Realisierung schliesslich geebnet war.

Die Badeanstalt befindet sich unmittelbar vor der deutschen Landesgrenze auf dem Gebiet des Riehener Schlipfs. Reinigungs- und Filterbecken sind auf einem Hangstück oberhalb des Bachs Weilmühleteich untergebracht. Südlich des Hanges liegt – umgeben von der abknickenden Weilstrasse, einem Privatgrundstück und dem Fluss Wiese – die eigentliche Badeanstalt. Sie hat zwei separate Becken: ein Kinderplanschbecken und im Zentrum der Anlage ein ovales Wasserbecken, das mit der für Freibäder typischen Bassinform bricht. Es ist aufgeteilt in ein 25-Meter-Schwimmbecken, einen Springer- und einen Nichtschwimmerbereich, der zusammen mit der Ufer- und Regenerationszone die grösste Fläche einnimmt. Gegliedert wird das Becken durch drei Holzstege, die auch als Liegeplattform und Zugang zu den unterschiedlichen Nutzungsbereichen dienen. Eine Holzwand umschliesst das Naturbad an drei Seiten, wodurch der moderne Bau an die Tradition der hölzernen Basler Rheinschwimmbäder anknüpft. Die offene Längsseite im Südosten bietet eine Aussicht auf die jenseits des Flüsschens Wiese gelegenen Felder und die Fondation Beyeler. Die aus Lärche gefertigte Umfassung ist als Holzskelettkonstruktion in Zangenbauweise ausgeführt. Sie ist von einem umlaufenden, auskragenden Pultdach bedeckt, das sich zur Innenseite hin hebt.

Das Naturbad wurde in Fachkreisen positiv aufgenommen. Es erhielt renommierte Auszeichnungen und wird zu den besten Bauwerken des 21. Jahrhunderts in der Schweiz gezählt. Neben dem Design wird insbesondere der starke Einsatz für Natur und Umwelt als vorbildhaft hervorgehoben.

Autorin / Autor: Felix Steininger | Zuletzt aktualisiert am 10.11.2022

Fakten

Naturbad Riehen
Weilstrasse 69
2013–2014
Herzog & de Meuron Basel
Gemeindeverwaltung Riehen

Artikel

Literatur

Herzog & de Meuron: Riehen Natural Pool. In: sb International magazin for sports, leisure and recreational facilities 5 (2015). S. 24–28. URL: https://issuu.com/iaks/docs/sb_5_2015_/26 (14.02.2022).

Mack, Gerhard: Herzog & de Meuron. Das Gesamtwerk 1978–1988. Bd. 1. Basel 1997.

Mack, Gerhard: Herzog & de Meuron. Das Gesamtwerk 2005–2007. Bd. 6. Basel 2018.

Nagel, Anne und Klaus Spechtenhauser: Riehen. Kanton Basel-Stadt. Hg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Bern 2014.

Oertli, Helen: Sprung ins kühle Nass. In: Holzbau Schweiz (Hg.): First 1 (2018). URL: https://www.holzbau-schweiz.ch/de/first/magazine-online/detail/magazin-artikel/sprung-ins-kuehle-nass/magazin-backlink/58/ (14.02.2022).

Staudt, Ansgar: Back to the roots. In: Archithese 5 (2014). S. 10–14.

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