Das 1957 eingeweihte Andreashaus wurde zur kirchlichen Erschliessung des wachsenden Gebiets im Süden der Gemeinde geschaffen. Von Beginn an diente der schlichte Bau auch nichtkirchlichen Zwecken. Im Lauf der Jahre entwickelte er sich zu einem wichtigen Treffpunkt im Quartier. Ende Oktober 2026 gibt die Evangelisch-reformierte Kirche den Standort auf. Danach führt ein Trägerverein das Andreashaus als offenen Begegnungsort weiter.
Das Andreashaus entstand aus den Bemühungen in den 1950er-Jahren heraus, das stark angewachsene Gebiet zwischen Habermatten, Niederholz und Hörnli kirchlich zu erschliessen. Bereits 1951 hatte die Evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt am Keltenweg ein passendes Grundstück erworben. Darauf wurde ein Kirchgemeindehaus errichtet, das am 13. Januar 1957 eingeweiht wurde. Im Vorjahr war für dieses Gebiet eine neue Pfarrstelle eingerichtet worden. Damit sollte zugleich eine liberal-fortschrittliche Alternative zur damals noch pietistisch geprägten Dorfkirche entstehen.
Kern des schlichten Gebäudes bildet der Gemeindesaal mit rund 200 Plätzen, der von Anfang an auch für nichtkirchliche Nutzungen vorgesehen war. Auf typische äussere Merkmale eines Kirchenbaus wie Turm und Glocken wurde deshalb bewusst verzichtet. Auch im Innern erinnert wenig an einen klassischen Gottesdienstraum. Immerhin erhielt der Gemeindesaal eine einfache Orgel, die am 11. November 1957 eingeweiht und 1966 durch die heutige Orgel der deutschen Firma Bosch mit sieben Registern ersetzt wurde.
Im Lauf der Jahre entwickelte sich das Andreashaus zunehmend zu einem Quartierzentrum, in dem Gottesdienste nur noch eine von mehreren Nutzungen waren. 1980/81 wurde das Gebäude deshalb um einen vom Basler Architekturbüro Bischoff & Rüegg entworfenen Erweiterungsbau mit geräumigem Foyer, Garderobe und verschiedenen Nebenräumen ergänzt, darunter auch eine grössere Küche. 1998 wurde das Foyer nach Plänen des Basler Architekten Matthias Buser erneut umgebaut.
2006 erwog der Kirchenrat der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt die Schliessung des Andreashauses. Danach wurde das Gebäude von der Kirchgemeinde Riehen-Bettingen gemietet und teilweise weitervermietet. Mit dem Zusammenschluss der bis dahin eigenständigen Gemeindekreise Andreas und Kornfeld im Jahr 2012 verlor das Andreashaus zudem seinen eigenen Pfarrer.
2025 beschlossen die Evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt und die Kirchgemeinde Riehen-Bettingen, den Kirchenstandort Andreashaus per Oktober 2026 vollständig aufzugeben. Auf Anfang November 2026 übernimmt ein neu gegründeter Trägerverein den Betrieb des Andreashauses, das aber weiterhin im Besitz der Evangelisch-reformierten Kantonalkirche bleibt. Er wird das Gebäude als niederschwelliges Quartierzentrum weiterführen und wird dabei durch die aus einer Erbschaft heraus entstandene Andreasstiftung finanziell unterstützt. Bisherige Nutzungen wie der ‹offene Donnerstag› mit Café, Kleiderbörse und Quartierznacht, eine Spielgruppe, der Mittagstisch, Veranstaltungen des Quartiervereins Niederholz oder diverse kulturelle Anlässe bleiben erhalten.
Autorin / Autor: Stefan Hess | Zuletzt aktualisiert am 24.9.2026
Cybinski, Nikolaus: 13 Klangwelten. In: Jahrbuch z’Rieche 2005. S. 65–77, hier S. 68.
Hess, Stefan: Gotteshäuser der Kirchgemeinde Riehen-Bettingen auf Riehener Gemeindegebiet, in: Jahrbuch z’Rieche 2025, S. 82–85, hier S. 82f.
Schindel, Ralph: Mehr als eine Kirche. In: Jahrbuch z’Rieche 2016. S. 44–49.
Jenny, Fränzi und Chris Gugger: Baselexikon. Basel 2001. S. 379.
Schnyder, Arlette: Kirchen im Dorf. In: dies. et al.: Riehen – ein Portrait. Basel 2010. S. 327–359, hier S. 340f.