Spital Riehen

Gesundheitszentrum Riehen

1852 eröffneten die Diakonissen im Diakonissenhaus in Riehen eine Krankenabteilung. Daraus entstand das Spital Riehen, das die Diakonissengemeinschaft während 121 Jahren leitete. Das Gemeindespital Riehen war ein Akutspital, das die medizinische Grundversorgung der lokalen Bevölkerung abdeckte. Als Regionalspital erlangte es Bedeutung, insbesondere aufgrund der Kropfoperationen. 1973 übernahm die Gemeinde Riehen das Spital. Die Verantwortung für den Betrieb lag bis 1997 beim Kantonsspital Basel, danach war die Gemeinde Riehen dafür zuständig. Seit 2009 führen die Stiftungen Meconex und Adullam die medizinischen Einrichtungen in Riehen.

Die Geschichte des Riehener Spitals ist eng verknüpft mit dem Wirken der Diakonissengemeinschaft Riehen. Am 13. Oktober 1852 wurde in den Räumlichkeiten des Diakonissenhauses an der Oberdorfstrasse 20 eine Heilanstalt für kranke Frauen eingerichtet. Geleitet wurde sie von der Oberin Sr. Trinette Bindschedler (1825–1879) und dem Basler Arzt Dr. Martin Burckhardt-His (1817–1902). Die Krankenabteilung hatte Platz für 13 Kranke, zudem gab es eine Apotheke, eine Badestube und eine Leichenkammer. Es war die erste spitalähnliche Einrichtung in Riehen. Aufgrund der grossen Nachfrage beschloss das Komitee des Diakonissenhauses einen Neubau mit mehr Krankenbetten an der Schützengasse 51, der 1871 eröffnet wurde. 30 Jahre später entsprach dieser den medizinischen Anforderungen jedoch nicht mehr, sodass zwischen 1904 und 1907 am Spitalweg 20 wiederum ein Neubau entstand. 1919 kamen das Pflegeheim für Alte und chronisch Kranke Moosrain am Chrischonaweg 52 und 1939 der Erweiterungsbau an der Schützengasse 35/37 hinzu.

Bis weit ins 20. Jahrhundert war in Riehen der Kropf endemisch, weil die Gemeinde wie das gesamte Wiesental unter Jodmangel litt. Daher spezialisierten sich die Chirurgen des Riehener Spitals, unter anderem Dr. med. Emmanuel Veillon-Stückelberg (1871–1953), seine Nachfolger Dr. med. Carl Felix Geigy-Engi und Dr. med. Andreas Staehelin-Vischer und alle weiteren Chefärzte, auf dessen Behandlung. Das Spital hiess deshalb im Volksmund auch ‹Kropfspital›.

Zwischen 1852 und 1973 führte die Diakonissengemeinschaft das Spital. Da sie den Betrieb nicht mehr rentabel aufrechterhalten konnte – nicht zuletzt, weil die Zahl der in der Pflege tätigen Diakonissen stetig abnahm –, ging das Spital an die Gemeinde Riehen über, die den Betrieb mit Unterstützung des Kantonsspitals Basel-Stadt weiterführte. 1998 übernahm die Gemeinde Riehen die vollständige öffentlich-rechtliche Verantwortung. 2009 sollte der Baurechtsvertrag mit der Kommunität Diakonissenhaus Riehen um 30 Jahre verlängert werden. Damals sah sich die Gemeinde mit dem neuen Bundesgesetz über die Krankenversicherung konfrontiert: Die Einführung der freien Spitalwahl sowie neue Finanzierungsmodelle (Fallkostenpauschale) erhöhten den Kostendruck. Der Gemeinderat beschloss daher, den Betrieb des Gemeindespitals auf Ende 2009 einzustellen. Nach einer kontrovers geführten Abstimmungskampagne befürwortete die Riehener Stimmbevölkerung am 6. September 2009 die Ablösung des Gemeindespitals durch ein ambulantes Gesundheitszentrum. Die Stiftung Adullam übernahm den Standort an der Schützengasse 35/37 und betrieb dort bis 2017 ein stationäres Geriatriespital. Die Liegenschaft blieb Eigentum der Kommunität Diakonissenhaus Riehen. Am 1. September 2017 wurde der Neubau des Adullam-Spitals (Akutgeriatrie, Rehabilitation und Pflegezentrum) an der Schützengasse 60 eröffnet. Das Spitalarchiv wird seit 2012 von der Dokumentationsstelle der Gemeinde betreut.

Autorin / Autor: Luzia Knobel | Zuletzt aktualisiert am 19.7.2022

Artikel

Jahrbuch Riehen

Archive

Schweizerisches Wirtschaftsarchiv

Jahresbericht und Jahresrechnung Gemeindespital Riehen: SWA H + I F 193.

Spitalarchiv Riehen

Krankengeschichten, Dokumente zur medizinischen Praxis; interessant für lokal-, sozial- und medizinhistorische Fragestellungen, Kontakt über die Dokumentationsstelle Riehen.

Staatsarchiv Basel-Stadt

Gesundheitsdepartement (bis 1. Juli 2005: Sanitätsdepartement): SD-REG. Zahlreiche Dossiers zum Gemeindespital Riehen.

Justizdepartement, Gemeindespital Riehen vormals Diakonissenspital, 1963–1973: JD-REG 1a 9-0 (2) 5.

Literatur

Jahrbuch z’Rieche

Billerbeck, Ewald: Der Kampf ums Spital. In: Jahrbuch z’Rieche 2009. S. 75–83.

Burgherr, Simone: Im Spital. In: Jahrbuch z’Rieche 1998. S. 42–51.

Christ, Martin: Die Renovation des Riehener Gemeindespitals. In: Jahrbuch z’Rieche 1986. S. 162–171.

Nussberger, Peter: Bedürfnisse und Möglichkeiten des Gemeindespitals. In: Jahrbuch z’Rieche 1986. S. 172–177.

Nussberger, Peter: Der Kropf und seine Bedeutung für Riehen. In: Jahrbuch z’Rieche 1998. S. 26–35.

Obrecht Lösch, Sibylle: Blut und Tinte – das Gedächtnis des Gemeindespitals. In: Jahrbuch z’Rieche 2012. S. 110–115.

Raith, Michael: Das Dorfspital in Riehen. In: Jahrbuch z’Rieche 1998. S. 12–25.

Spielmann, Matthias: Das Gemeindespital Riehen an der Schwelle zur Jahrhundertwende. In: Jahrbuch z’Rieche 1998. S. 4–11.

Spriessler-Brander, Rolf: Zwei Alterswerke erfinden sich neu. In: Jahrbuch z’Rieche 2017. S. 84–93.

Weitere Literatur

Kamber, Vreny und Peter Nussberger: 20 Jahre Gemeindespital Riehen. Ein geschichtlicher Rückblick. In: Gemeindespital Riehen. Jahresbericht und Jahresrechnung 1993. Riehen 1993. S. 24–31.

Schuppli, Andreas: Gemeindespital Riehen: Ein Ende mit Zukunft. In: Hess, Stefan (Hg.): Basel und Riehen. Eine gemeinsame Geschichte. Basel 2021. S. 213–215.

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